07 August 2011

persönliches Scheitern mit Fragezeichen

Er hat gekämpft. Ich weiß nicht genau worum.
Vielleicht um die schönen Momente.
Ja, um die finde ich es auch traurig und schade.

Er hat gekämpft, argumentiert, entgegnet, versucht, Hoffnungen zu wecken, Vereinbarungen für den Umgang miteinander in Zukunft zu treffen. Er hatte keine Chance, er war betrunken. Selbst wenn er nüchtern und ich betrunken gewesen wäre: Im "Worte im Mund umdrehen" und "Dinge entsprechend meiner Absicht auslegen" bin ich nahezu unschlagbar.

Er hat gekämpft, um was auch immer, und das hat es mir schwer gemacht.
Ich hab mich positioniert. Ich habe meine Position gehalten.
Soll ich jetzt stolz sein?

Er sprach Klartext, dass ich meine Arbeit, die Versorgung meiner Haustiere, meinen Haushalt, meine Finanzen nicht auf die Reihe kriege und immer mal wieder andere dafür verantwortlich mache. Das tat weh, obwohl es keine mir neue Wahrheit ist. Ich schaue oft genug in den Spiegel, um zu wissen, dass ich mein Leben nicht auf die Reihe kriege. Es ist nicht wahr, dass ich anderen daran die Schuld gebe. Wahr ist, dass ich mich zurückziehe, bevor ich andere zu Unrecht beschuldige und mich sehr wohl meinen Anteilen stelle. Das ist um so mehr ein Grund für mich, nicht auch noch eine Beziehung zu führen, die ich nicht auf die Reihe kriege. Und weil ich so wenig auf die Reihe kriege, brauche ich all meine Energie für mich. Ich habe keine Kraft für jemanden, der mit Alkohol Probleme und Gefühle verdrängt und hinterher die Abläufe völlig anders erinnert.

Er soll so sein, wie er ist.
Ich will so bleiben, wie ich bin.
Aber so, wie wir sind, passen wir nicht zueinander, tun uns nicht gut.

Ich habe solche Beziehungen gehabt, in denen man sich in einigen Punkten zu ähnlich ist. Wenn man aufeinander trifft, knallt es - mal als grandioses Feuerwerk und dann wieder als katastrophale Zerstörung. Solche Beziehungen können sehr intensiv werden, aber sie kosten auch viel Kraft. Kraft, die ich nicht habe und nicht zu investieren bereit bin. Ich fühl mich nicht in den Positionen wohl, die früher einige meiner Partnerversuche inne hatten, die ich im Nachhinein für ihr Verhalten verachtet habe. Ich will klarer und konsequenter sein. Es passt nicht; nur weil allein sein traurig ist, wird nicht versucht, es künstlich und unerfolgreich passend zu machen. Den Beziehungsversuch nach wochenlangem Zweifeln zu beenden, ist wohl die vernünftigste Entscheidung. Eine so reife, vernünftige Entscheidung zu treffen, wäre mir vor wenigen Jahren noch nicht in den Sinn gekommen. Dass ich wohne, wo ich jetzt wohne, ist Ergebnis meiner emotionalen Argumentation und Beweisführung. Wenn ich eine so reife und vernünftige Entscheidung treffen kann, in meinem Leben etwas dazu gelernt habe, wieso fühlt es sich dennoch wie persönliches Scheitern an?

Er hat sich heute Abend mit Abgabe bzw. Einfordern des Schlüssels entschieden.
Ich weiß nicht genau, worum er jetzt kämpft.
Ich habe deutlich gespürt, dass mir diese Verbindung nicht bedeutend genug ist, um darum zu kämpfen.

Vielleicht liegt das persönliche Scheitern darin, zu keiner Investition bereit zu sein.
Vielleicht liegt das persönliche Scheitern im Kapitulieren, im Aufgeben von Hoffnungen bei gleichzeitig beharrlich beständigen und scheinbar größer und unrealistisch anspruchvoll werdenden Sehnsüchten.
Vielleicht liegt das persönliche Scheitern darin, dass ich niemanden mehr wirklich an mich heranlassen kann.
Vielleicht liegt das persönliche Scheitern darin, dass ich mir selbst ein längst vergangenes Scheitern nicht verzeihen kann und mir ein Leben lang verbiete, jemals wieder glücklich zu sein.

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